Geburt: Bo ❤️

Es ist Freitag, der 4. Oktober…mein Wunsch-Liefer-Bo-Datum ist vergangen und auch heute fühlt sich nichts danach an, als würde der kleine Mann bald bei uns sein.
Am Nachmittag kommt Monika vorbei…wir reden, sie tastet…dann das, was ich bestimmt nicht hören möchte: „Ich denke, es wird noch dauern…eine Woche etwa!“
Nachdem sie fort ist, weine ich ein bisschen…möchte mit meinem Frust und meinen Gedanken alleine sein. Nun gut, wenn dem so ist, dann werde ich mich gedulden…nicht meine Stärke, aber zumindestens geht es mir weiterhin gut. Bo wird schon kommen!

In der folgenden Nacht werde ich gegen halb eins wach…hellwach. Für einen Moment denke ich, ich hätte einen Blasensprung…schnell zur Toilette…puh, alles gut…nur der Druck nach unten ist ziemlich stark.
Ich watschel zurück ins Bett und schlafe schnell wieder ein. Um drei Uhr wiederholt sich das Ganze nochmal und der Druck ist noch stärker geworden…hmm. Ich liege im Bett und denke darüber nach, schaue dabei den Heldenmann an und bin einfach nur froh, ihn zu haben – noch ahnt er nichts von dem was sich hier abspielt ;)
Um halb sieben Wache ich auf…liegen fühlt sich doof an, zur Toilette muss ich auch schon wieder…beim abwischen bemerke ich Blut. Ich zeichne. Okay…ganz ruhig bleiben, es dauert ja wohl noch eine Woche! Ich wasche mir die Hände. Dann gehe ich zum Helden und zur Motti ins Wohnzimmer…“heute oder morgen kommt Bo!“ sage ich…der Held sieht mich an und plötzlich bin ich ganz aufgeregt, als ich ihm von der letzten Nacht und meinem Toilettengang eben erzähle. Er sieht mich an, drückt mich…gibt mir die Ruhe, die ich brauche. Ich schreibe meiner Freundin und sie sagt, ich soll die Hebamme anrufen. Um 7:10 Uhr wecke ich Monika mit meinem Anruf und schildere ihr was sich getan hat. Sie macht sich fertig und kommt dann zu mir. Ich gehe im Flur auf und ab und bin froh, dass WE ist…dass ich nicht alleine bin…das es Whatsapp gibt :) Wehen wie ich sie kenne, spüre ich nicht…nur diesen durchgehenden Druck nach unten.
Wir wecken die Großen. Um Viertel nach acht ist Monika da. Sie erledigt zuerst einige Anrufe und packt dann ihre Sachen aus…
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Während sie alles vorbereitet, der Held die Kinder anzieht, rufe ich meine Mama an. Ich sage ihr, das Bo heute kommt und plötzlich beginne ich zu weinen…ich flüstre ins Telefon, dass ich ein bisschen Angst habe und vermisse meine Mama in diesem Moment ganz schrecklich doll.
Dann verabschiede ich mich von meinen Mädchen mit dem Wissen, dass sie in guten Händen sind und auch mit dem Wissen, dass sie, wenn sie wieder heimkommen, einen Bruder haben werden. Wahnsinn!
Anschließend gehe ich zu Monika
ins Wohnzimmer. Sie untersucht mich und sagt mir, dass der Muttermund bei 4cm ist. Ich hab es mir also nicht eingebildet…es wird wirklich ernst heute! Jetzt komme ich ans CTG, noch bin ich guter Dinge…plaudere und lache, stelle Fragen. Dann kommt endlich der Held zurück und wir sind allein…ohne unsere Töchter…alleine mit der Hebamme, um hier Zuhause unseren Sohn zu bekommen ❤️

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Das CTG sieht vorbildlich aus…schöne Herztöne und Wehen im Abstand von 2-3 min, welche ich noch gut veratmen kann. Ich laufe wie ein Tiger im Käfig auf und ab und bin dankbar über das lange CTG-Kabel, welches mir Freiheit gibt. Sitzen will ich nicht, liegen erst recht nicht. Nach jeder Wehe bekomme ich einen TL Rescue Me-Wasser, damit Panik wie beim Feenkind gar nicht erst entsteht.
Allmählich werden die Wehen schlimmer…ich werde stiller, konzentrierter, lache nicht mehr. Während der Wehen hält mich der Held, er gibt mir die Nähe die ich brauche ohne mich einzuengen. Ich beginne zu tönen…Monika notiert sich immer wieder mal etwas und beobachtet ansonsten viel. Sie lässt mich machen, wie ich es für richtig halte! Immer wieder spüre ich den Drang zur Toilette zu müssen (und darf natürlich auch)…im Bad ist es schön kühl, während im Wohnzimmer der Heizofen auf Hochtouren läuft, um die Temperatur für den kleinen Mann muckelig warm zu bekommen. Ich bin unterdessen in mein Nachthemd geschlüpft, welches rasch durchgeschwitzt ist. Meine Haare kleben im Gesicht, ich keuche…mein Kreislauf schwächelt, aber hinsetzen geht nicht…also stehe und laufe ich weiter durchs Wohnzimmer.
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Die Schmerzen werden noch schlimmer…ich höre mich das erste Mal sagen, dass ich es nicht schaffe…ich kann das nicht! Mit Tränen in den Augen sehe ich den Helden an, spüre wie die Panik in mir hochkriecht. Der Held spricht mir gut zu, glaubt an mich. Ich berappel mich, rufe mir ins Gedächtnis was ich mir im Vorfeld vorgenommen habe (Die Geburt ist wie das Schwimmen im Meer. Ich kann mit den Wellen schwimmen, dann geht es leichter. Immer wieder wird mich eine Welle überrollen, aber ich werde nicht aufgeben und weiterschwimmen. Und mit jeder Welle komme ich, dem ersehnten Ufer näher…das Ufer ist mein Sohn!). Ich stelle meine Füße wieder fest auf den Boden, erde mich und atme langsam durch die Nase ein und durch den Mund aus.
Zwanzig vor Elf…ich lege mich nun doch in Rückenlage aufs Sofa. Ich keuche, tue mich schwer. Wie lange wird es noch dauern?? Monika meint, 2-3 Wehen muss ich noch aushalten und dann kann sie mir Anweisungen geben…wie soll ich das aushalten?
Viertel vor Elf…ich fühle mich zu meinem Sohn…er ist bereit und ich bin es auch! Doch es kommt keine Wehe…ich liege dort, mein Blick ist leer als er den des Helden trifft. Ohne etwas zu sagen, spüre ich, wie er mir Mut macht…wir sind ein gutes Team!
Ich möchte pressen und Monika sagt, dann schieb ihn halt ohne Wehe raus…also atme ich tief ein, schließe die Augen, Kinn auf die Brust…und ich schiebe. Ich spüre seinen Kopf, mein Sohn hilft mit, weiß was er machen muss. Ich schiebe nochmal, dann ist sein Kopf da (eng umwickelt mit der Nabelschnur, welche recht kurz ist). Mein Sohn strampelt in mir, stößt sich mit den Füßchen ab…ich schiebe nochmal, dann ist er da:

Bo – unser Sohn!

Er begrüßt uns mit seiner kräftigen Stimme, während Monika ihn entwickelt und ihn mir dann entgegen hält. Ich kann ihn nicht nehmen, meine Hände zittern…Nein, mein ganzer Körper zittert. Ich hab keinerlei Kontrolle darüber. Ich schaue zum Helden, welcher immer noch meine Hand hält…er hat Tränen in den Augen, dieser Moment ist ein ganz Besonderer. Dann habe ich Bo endlich auf meiner Brust liegen. Ich küsse ihn, ich weine schluchzend und sage immer wieder „Endlich bist du da…wir haben so auf dich gewartet!“ Der große Held streichelt die Hand vom kleinen Helden…mir geht das Herz über vor Liebe und vor Dankbarkeit für dieses kostbare Geschenk ❤️

Unterdessen kommt die nächste und letzte Wehe, die Nachgeburt ist da. Wir lassen die Nabelschnur auspulsieren, dann durchtrennt der Held diese. Monika bringt die Plazenta ins Badezimmer um sie sich genau anzusehen, der Held begleitet sie…macht ein Foto. Ich liege mit unserem Wunder im Wohnzimmer, lege ihn das erste Mal an…ich weine immer noch, kann mein Glück kaum fassen!
Als Monika wiederkommt, wird der Mini Mann untersucht und vermessen. Er ist schon ganz rosig geworden und präsentiert wiederholt, sein kräftiges Stimmchen. Dann bekommt er die erste Windel seines Lebens, die ersten von so vielen und wird angezogen und in unser rotes Handtuch eingekuschelt. Ich möchte duschen gehen und darf es auch…20min nach der Geburt – Wahnsinn! Monika begleitet mich, ich zittere schlimmer als Espenlaub und bin froh, sauber, wieder unter die Decke zu meinen beiden Helden zu dürfen! Allmählich hat sich mein Körper wieder im Griff und wir versenden die ersten Babynachrichten per Whatsapp und telefonieren kurz mit den Eltern.
Die Heldeneltern waren ein wenig „geschockt“ über die Hausgeburt…huch, das haben wir wohl vergessen im Vorfeld zu erwähnen ;)
Danach wird weitergekuschelt, weitergestaunt…wir lernen uns kennen und der Held und ich, wir sind sehr stolz aufeinander. Er auf mich und ich auf ihn…pure Liebe!
Nachdem Monika alles wieder aufgeräumt hat, sieht es aus, wie vor drei Stunden…kaum zu glauben, dass unser Kind bei uns ist, zuhause geboren. Unbeschreiblich!
Gegen 13 Uhr verlässt uns Monika (sie kam dann abends nochmal wieder) und wir sind alleine… Ich habe einen Bärenhunger und der Held macht uns Frühstück.
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Genau das Richtige…hab ich doch noch nichts gegessen und gerade eine körperliche Hochleistung vollbracht!
Wir genießen noch ein bisschen den Moment, bevor der Held die Mädchen abholt und wir Sieben komplett sind ❤️
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BENNO
geboren am 5.10.13 um 10:53 Uhr
51cm – 3750g – KU 36,5cm
❤️❤️❤️❤️❤️

7 Kommentare zu “Geburt: Bo ❤️

  1. Wunderschön. Ich musste einfach weinen!
    Noch habe ich mich nicht getraut meinen Geburtsbericht zu veröffentlichen. Genießt euren kleinen Mann <3

    Liebe Grüße

  2. So toll :) Hausgeburten sind einfach wunderschön. Ich lese die Berichte total gerne. Hättet ihr auch einen „Pool“ aufstellen können? Oder kam das für euch gar nicht in Frage?

    Alles Liebe dir und deinen Lieben,

    Laura

  3. Wahnsinn ! Toll ! Ich weine! Hört sich nach einer perfekten Geburt an . So ne Hausgeburt stelle ich mir wirklich unglaublich spannend und schön vor. Schön das er endlich bei euch ist, der süße Spatz. Du bist echt zu bewundern du Super Muddi <3 <3 <3

  4. Oh!
    Der erste Moment ist sooooooooo besonders!
    Meine letzte (Haus)Geburt ist jetzt schon fast drei Jahre her und ich bin so froh und dankbar.
    Du hast das sehr schön geschrieben!
    Alles Liebe für den kleinen Bo!
    Liebe Grüße
    Suse

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