Glück kann man nicht kaufen #2 } Amanpreet

Schon wieder Montag. Schon wieder eine Woche rum.
Zeit für das zweite Interview zum Thema ‚Glück kann man nicht kaufen. Es wird geboren.‘

Heute mit der wundervollen Amanpreet(welche ich unheimlich gern mag!)

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Stell dich und deine Familie doch bitte kurz vor.
Ich heiße Amanpreet und zu meiner Familie gehören mein Mann B. und unsere gemeinsamen Söhne V. (7 Jahre) und M. (7 Monate).

Kinder sind eine große Verantwortung und bringen Veränderungen mit.
Was für Gedanken hast du dir während deiner Schwangerschaft dazu gemacht?
In der Schwangerschaft mit V. habe ich mir nahezu keine Gedanken darum gemacht. Der Wunsch nach einem Kind war gewaltig und wir Willens genug ihm einfach nachzugeben. Dabei stand B. gerade am Anfang seines Studiums und ich hatte noch nicht einmal eine Zusage für einen Studienplatz. Wir hatten aber Vertrauen in uns das wir alles was auf uns zukommen sollte, auch schaffen würden.  Natürlich haben wir uns schon informiert welche finaziellen Entlastungen es als Studenten mit Kind gibt und ähnliches, aber grundsätzlich waren wir nicht sonderlich besorgt.

Als wir aber erst einmal Eltern waren, sah das mit der Zeit dann anders aus. Vor allem ich macht mir jahrelang Gedanken und schob den weiteren (sehnsüchtigen) Kinderwunsch von mir weg.
Wir unternahmen als Familie sehr viel. Fuhren zwei- bis dreimal pro Jahr in den Urlaub (gepriesen sei die Nebensaison). Würden wir mit weiteren Kindern diesen Standard halten können? Oder ist dann die musikalische Frühförderung des Kindes nicht mehr drin wenn da noch eins kommt? Wie ist es überhaupt für das Kind wenn da plötzlich noch eins da ist? Ist dann genug Kraft und Aufmerksamkeit für zwei da?

Heute sage ich, den Lebensstandard halten wollen war eine Momentaufnahme. Ich kann auf einiges gut verzichten.
Natürlich tragen wir jetzt doppelt soviel Verantwortung als vorher. Aber da ist auch doppelt soviel Liebe und Freude, wenn beide Kinder miteinander spielen. Wenn V. aus der Schule kommt und M. ihn strahlend empfängt, dann geht mir das Herz auf.
Wir versuchen für jedes Kind Exklusiv-Zeit zu schaffen, auch wenn sie nur kurz ist.

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Wie war es dann tatsächlich, als du Mutter geworden bist?Was hat dich besonders überrascht – sowohl positiv, als vielleicht auch negativ?
Als ich zum ersten Mal Mutter wurde war ich überwältigt von all den Gefühlen. Jegliche Gefühle. Es war einfach alles wahnsinnig intensiv und wahnsinnig viel. Ich glaube, es dauerte zwei Tage bis ich wirklich begriff, dass dieses Kind mein Kind ist. Ich habe es geboren und ich liebte und liebe es unendlich.
Ich hatte aber niemals das Gefühl mich einschränken zu müssen. Ich nahm meinen Sohn einfach überall hin mit wo es nur ging. Noch heute erinnere ich mich gerne an die Mensatreffen mit ihm und meinem Mann zurück.
Natürlich war es eine Herausforderung dem Kind und dem Studium gerecht zu werden, aber mein Kind gab mir auch unglaublich viel Kraft das Studium zu meistern.

Als ich zum zweiten Mal Mutter wurde, war das unbeschreibliche Glückgefühl direkt in dem Moment da als ich meinen Sohn gleich nach der Geburt in meinen Händen hielt. Ich war Zweifach-Mama, wie wundervoll!
Ich lernte allerdings auch, was es heißt Angst zu verspüren die einem nahezu den Verstand nimmt. M. musste nach der Geburt wider Erwarten intensivmedizinisch behandelt werden und V. erlitt in dieser Zeit einen anaphylaktischen Schock. Ich wäre wohl einen Pakt mit dem Teufel eingegangen um ihnen zu helfen.
Aber auch diese Seiten hat das Kinder haben. Und auch wenn es die schlimme Überraschungen waren, rückgängig würde ich keine Entscheidung machen.

Wie wichtig ist dir Zeit für dich und deinen Partner und wie sieht diese Zeit aus?
Auch als Eltern sehe ich uns weiterhin als Paar. Die Kinder haben uns bereichert, näher gebracht. Von einem Paar wurden wir zu einem Elternpaar. Natürlich brauchen auch wir unsere Auszeiten. Ich gehe zum Yoga (noch mit Baby) um auszuspannen und probiere mich an kreativen Dingen oder lese ein paar Seiten wenn die Kinder mal für sich beschäftigt sind.

In den letzten Jahren hieß Zeit für uns, alle paar Monate ein Konzert zu besuchen. Im Moment brauche ich das nicht, aber vielleicht kommt das Bedürfnis wieder.

Der Mann geht weiterhin seinen Hobbys nach und das ist okay für mich. Ich möchte ihn nur für ein paar Abende in der Woche für mich. Zum reden und vielleicht einen Film schauen. Und wenn das Baby dabei ist, ist das noch völlig in Ordnung.
Paarzeit kann hier auch gemeinsames kochen sein wenn die Kinder für sich oder miteinader spielen.

Gibt es etwas, was mit Kind(ern) definitiv nicht mehr machbar ist?
Spontan sein. Das geht nur bedingt. Es wird viel geplant, ständig Vor- und Nachteile bewogen. Sei es beim Thema Essen gehen oder Freunde treffen.
Vor allem muss man sich als Elternpaar immer wieder absprechen, damit keiner zu kurz kommt.

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Was möchtest du gerne den kinderlosen Frauen sagen, die sich zuviele Gedanken zum Thema ‘Leben & Veränderungen mit Kind(ern)’ machen?
„Man steckt viel rein und bekommt so viel mehr zurück. Wo bekommt man das heutzutage noch?“ Das sagte mein Mann mal und auch wenn es eher etwas scherzhaft gemeint war, hat er doch Recht. Natürlich sind Kinder eine große Veränderung im Leben. Aber sie sind vor allem ein großes Glück. In die neue Verantwortung und die neuen Aufgaben wächst man hinein. Und Veränderung ist ein neutraler Begriff. Warum nur Gedanken um die negativen Veränderungen machen? Kinderlachen, die Welt noch einmal durch Kinderaugen sehen, kleine, zarte Händchen und Sonntag morgens alle gemeinsam im Bett kuscheln. Das sind ganz wunderbare Veränderungen. Ich bin so glücklich und dankbar über meine Familie, ich kann mir kaum noch vorstellen wie es vorher gewesen ist.
Und für den weiteren Kinderwunsch habe ich mir vorgenommen, weniger denken, mehr Bauchgefühl, einfach auf mich zukommen lassen statt mich wegen diffuser Ängste verrückt zu machen.

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Liebe Amanpreet, vielen, vielen herzlichen Dank für deine ausführlichen Antworten, ich habe mich unheimlich gefreut. Ich wünsche dir von Herzen, alles Liebe für dich und deine bezaubernde Familie!